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Gemeinde Pommersfelden  |  E-Mail: info@pommersfelden.de  |  Online: http://www.pommersfelden.de

Schloss Weissenstein

Das Glanzstück fränkischen Barocks mit seinen Gemäldegalerien, seiner vollständigen Inneneinrichtung und seiner herrlichen Architektur zieht zahlreiche Besucher nach Pommersfelden. Seit 1958 präsentieren sich jeden Sommer junge Musiker aus aller Welt im Collegium Musicum.
Schloss Weißenstein von vorne

Geschichte

Lothar Franz von Schönborn (1655-1729), der Erbauer des Schlosses Weissenstein ob Pommersfelden, war als Kurfürst-Erzbischof von Mainz (seit 1695) und Fürstbischof von Bamberg (seit 1693) einer in der Verbindung von kirchlicher und weltlicher Macht für das Alte Reich charakteristischen geistlichen Fürsten. Die Mainzer Kurwürde brachte ihm das Ehrenamt des Reichserzkanzlers und den ersten Platz unter allen Reichsfürsten nach dem Kaiser ein. Ihm standen von Staatswegen bereits mehrere Schlösser in seinen beiden Ländern zur Verfügung: schließlich gehörte ihm persönliches aus der Erbschaft des Vaters Schloss Gaibach bei Volkach a. M. Dazu kam nun noch das Schloss Weissenstein in Pommersfelden als von ihm privat finanzierter Bau und persönlicher Besitz, der bis auf den heutigen Tag in Familienbesitz blieb und als Schauplatz der jährlichen Konzertwochen mitten im Leben steht.

 

Wer war dieser Lothar Franz, der mit seinem Schlossbau ein Hauptwerk des deutschen Barock geschaffen hat? Selten hat sich ein Bauherr so sehr mit seiner Schöpfung identifiziert. Der Eindruck seiner Persönlichkeit auf die Zeitgenossen war bedeutend; der Kurfürst war von bestrickender Liebenswürdigkeit, voller Humor und Temperament, ohne dabei einen Augenblick seinen Stand zu vergessen; leutselig und gesprächig war er, dabei klug und mit treffsicherem Urteil ebenso wie mit ausgezeichneter Menschenkenntnis ausgestattet.

 

Lothar Franz' ganz große Liebe galt der Kunst, vor allem der Architektur und der Malerei. Auf weiten Reisen hatte er in jungen Jahren viele Schlösser und Galerien gesehen. Im strengen Sinn des Wortes zwar Dilettant, eignete er sich im unmittelbaren Verkehr mit Architekten und durch das Studium von theoretischen Werken - die Schlossbibliothek verwahrt sie noch - eine so umfassende Kenntnis an, dass er selbst mit bauschöpferischen Ideen hervortrat, den Künstlern Aufgaben stellte und mit ihnen über technische und künstlerische Details reden konnte.

Grossansicht in neuem Fenster: Schloss Weißenstein seitlich

In den Schlössern des Kurfürsten entfaltete sich, wenn er zugegen war, ein farbenprächtiges Leben, wie es an weltlichen Höfen nicht prunkvoller sein konnte. Schönborn sammelte in Pommersfelden auch ein stattliches Künstlergefolge von nah und fern um sich und hier fand er, zwischen aller Landes- und Reichspolitik, immer noch eine Stunde, um mit Künstlern zu korrespondieren, Freunde und Verwandte mit Aufträgen zum Bilderkauf zu versehen oder seinem Wiener Neffen als Anhängsel an die geheime Staatskorrespondenz zwischen Erzkanzler und Reichsvizekanzler fast jedes mal ein paar Sätze oder ein Kapitel über Kunst- und Bausachen anzufügen.

 

Bald hatte sich ein Kreis von Baufreunden um den Kurfürsten gebildet und es wurde bald zur Bauleidenschaft, was sie einte; belustigt und resigniert zugleich sprach er vom "Bauwurm", der ihn befallen habe. Dazu gehörte übrigens auch eine betonte Freude und aktives Interesse an der Gartenkunst; seine großen französischen Parkanlagen mit ihren Terrassen, Hecken, Alleen und Wasserspielen wurden leider im 19. Jahrhundert im englischen Landschaftsstil umgestaltet.

 

Schloss Weissenstein

Des Kurfürsten Interesse an der Malerei nahm nach 1705 allmählich die Gestalt einer wirklichen Sammelleidenschaft an; ihr Ergebnis war nach zwanzig Jahren die großartige Galerie in Pommersfelden, die - trotz einiger empfindlicher Verluste im 19. Jahrhundert - heute noch die größte private Barockgalerie geblieben ist und damals schon den Vergleich mit anderen großen Galerien nicht zu scheuen hatte; als Galerie zeitgenössischer italienischer Malerei des Kurfürsten ist sie einzigartig. Lothar Franz ist im künstlerischen Bereich für Franken die überragende Persönlichkeit im aufgehenden 18. Jahrhundert und für dessen erste Jahrzehnte; ihm folgen in dieser Rolle seine beiden Neffen als Bauherren der Würzburger Residenz und Auftraggeber Balthasar Neumanns.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Schloss Weißenstein

Als jüngster Sohn Philipp Erweins von Schönborn, eines hohen Kurmainzer Beamten, im Jahre 1655 geboren, war er von Jugend an für den geistlichen Stand bestimmt; der Bruder seines Vaters war damals Kurfürst von Mainz und der Oheim seiner Mutter aus dem Hause Greiffenclau hatte die gleiche Würde bekleidet; so waren ihm die Wege auf dieser Laufbahn geebnet. Reisen und eine Praxis als Präsident der Bamberger Hofkammer waren vorausgegangen, als der achtunddreißigjährige Prälat 1693 Fürstbischof von Bamberg und zwei Jahre später Kurfürst von Mainz wurde; mit der ersten Kurwürde des Alten Reiches und dem Erzkanzleramt hatte er einen Jugendtraum verwirklicht: es dem kurfürstlichen Oheim Johann Philipp von Schönborn gleichzutun und er hatte, eben ein Vierziger, die höchsten weltlichen Würden erreicht, die für ihn zugänglich waren. So konnte er auch der Förderer seiner Neffen werden, von denen es wiederum vier zu geistlichen Fürstenwürden brachten, so dass die Familie Schönborn in dem Jahrhundert nach dem Dreissigjährigen Kriege über ein Dutzend davon an Rhein und Main besaß. Dieser einzigartige Aufstieg, der gleichzeitig auch den Ausgriff der Schönbornschen Künstlerschaar ermöglichte, war von Lothar Franz planmäßig vorbereitet worden und sein Schloss  in Pommersfelden war solchermaßen ein Denkmal für die Gesamtfamilie und ihr damaliges Ansehen im Reiche, was ihr barocker Künstlerhof durch seine Werke noch bis auf den heutigen Tag dokumentiert.

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